Wochenanalyse Trendfolge

Die Auswirkungen der FED-Notenbankentscheidung (Wochenanalyse vom 25.5.2016)

image_pdfimage_print

Im Juni stehen zwei ganz wichtige Entscheidungen an, die auch Auswirkungen auf die Märkte haben können: Am 15.6.2016 entscheidet die US-Notenbank darüber, ob es bereits im Juni eine Leitzinserhöhung gibt oder erst später. Und am 23.6.2016 stimmen die Briten über den Verbleib in der EU ab. Ich habe in der letzten Zeit vermehrt Fragen zu diesen Thematiken bekommen, deswegen schauen wir uns einmal an, was sie für die Börse bedeuten können. Heute beginne ich mit der US-Notenbank, nächste Woche geht es dann um die Auswirkungen des Brexit-Referendums für die Börse.

Eines mag die Börse – und damit meine ich die Marktteilnehmer – überhaupt nicht: Unsicherheit und negative Überraschungen. Steht ein Ereignis an, von dem der Ausgang ungewiss ist, dann werden im Vorfeld die Markterwartungen in den Aktienkursen eingepreist. Verschieben sich diese Erwartungen, dann ändern sich auch die Kurse entsprechend. Und am Tag der Verkündung einer so wichtigen Entscheidung sowie am Tag danach gibt es oft Kurskapriolen.

Warum haben die Leitzinsen überhaupt Einfluss auf die Märkte? Generell sind höhere Zinsen schlecht für die Aktienmärkte. Die einfachsten Zusammenhänge kann sich jeder schnell klar machen: Je mehr Zinsen es für Ihr Sparbuch gibt, desto attraktiver ist es für Sie, ihr Geld dort anzulegen anstatt in Aktien, die ja immer auch einem gewissen Risiko unterworfen sind. Und für Unternehmen wird es bei höheren Zinsen teurer, Fremdkapital aufzunehmen – das schmälert die Gewinne.

Grundsätzlich könnte man also davon ausgehen, dass die Kurse nach der Leitzinserhöhung erst einmal fallen. Allerdings sind die Marktteilnehmer ja nicht naiv. Sie bilden sich vorab eine gewisse Meinung und so entsteht eine Erwartungshaltung, was wohl passieren wird, die schon im Vorfeld eingepreist wird. Die US-Notenbanksitzung der letzten Woche ist ein schönes Beispiel dafür:

Vor dieser Mai-Sitzung war die fast einhellige Marktmeinung, dass es im Juni noch keine weitere Leitzinserhöhung in den USA geben wird. Die Hinweise, dass dies doch im Bereich des Möglichen liegt, waren jedoch im Sitzungsprotokoll so deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung sprunghaft anstieg und nun schon bei ca. 37% liegt (falls Sie die Hintergründe interessieren: solche Berechnungen sowie die Methodik dazu finden Sie z.B. im FedWatch Tool der CME group, die Änderung dieser Erwartungen im Zeitablauf bei HumbleTraders).

Die Kurse reagierten auf diese Nachrichten prompt und der S&P500 bildete am Donnerstag, dem Tag nach der Sitzung, ein neues mittelfristiges Tief aus, intraday mit dem tiefsten Stand seit ca. 2 Monaten. Damit war die veränderte Erwartung erst einmal eingepreist, die Kurse steigen seitdem wieder. Falls diese Wahrscheinlichkeit sich in der Zeit bis zur endgültigen Entscheidung am 15.6. weiter erhöht, wird dies ebenfalls noch eingepreist und sich bremsend auf die Kurse auswirken. Das heißt nicht, dass die Kurse bis dahin nicht steigen können. Aber sie würden dann einfach weniger stark steigen als unter gleich bleibenden Erwartungen. Ein wichtiger Termin, an dem sich solche Wahrscheinlichkeiten noch verschieben können, ist beispielsweise der 3.6.2016. An diesem Tag wird der der US-Arbeitsmarktbericht für Mai veröffentlicht.

Wie der Markt dann direkt nach der Verkündung der Entscheidung reagiert, ist völlig unmöglich zu prognostizieren. Selbst wenn Sie Insiderkenntnisse hätten und im Vorfeld schon wüssten, ob die Zinsen steigen oder nicht, könnten Sie daraus nicht sicher Rückschlüsse auf die Kursentwicklung an den Märkten ziehen. Steht beispielsweise bis dahin die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung immer noch bei nur rund 37% und sie kommt tatsächlich, ist das zwar erst einmal eine kleine negative Überraschung. Die eigentliche Reaktion hängt jedoch von vielen Faktoren ab, inbesondere auch davon, wie die FED den Zinsschritt begründet. Schließlich ist absolute Grundvoraussetzung für einen solchen Schritt immer eine gesunde Konjunktur und eine starke Wirtschaft.

Rechnen Sie an diesem Tag aber mit erhöhter Volatilität. Da die Entscheidung veröffentlicht wird, während der Markt noch geöffnet ist, gehen die Kurse manchmal an solchen Tagen ganz schnell für Minuten weit in den Keller, nur um anschließend auf neue Hochs zu steigen. Oder umgekehrt. Die erste Marktreaktion ist oft entgegengesetzt der endgültigen Richtung. An solchen Tagen werden Trader mit zu engen Stops gerne aus dem Markt gedrängt.

Meine Empfehlung deshalb: Wenn Sie langfristiger Aktienbesitzer sind, haben solche „Events“ ohnehin keinerlei Auswirkungen auf die Performance, die Sie in ein paar Jahren mit Ihrem Investment erzielen. Unsere Optionsscheine im Vermögensaufbau-Depot sind ebenfalls langfristige Positionen. Wenn Sie hier entgegen meiner Empfehlung auf eigene Faust Stops setzen, dann rechnen Sie eine höhere Schwankungsbreite ein.

Wenn Sie kurzfristige Trading-Positionen haben, egal ob Aktien oder gehebelt, setzen Sie ebenfalls keinen zu engen Stop und halten Sie keine Positionen mit Knock Out, die bereits nahe an ihrer Schwelle notieren. Im Zweifel stellen Sie eine fragliche kurzfristige Position lieber vorher glatt. Hinterher wieder einsteigen können Sie immer noch.

Verändern wir vorher noch unsere Depots? Die Marktbedingungen, Meinungen und Erwartungen ändern sich jeden Tag und ich kann Ihnen heute noch keinen Fahrplan geben, ob wir vor den Entscheidungstagen mit FED-Sitzung und Brexit-Referendum noch Risiko herausnehmen und Optionsscheine verkaufen. Eine Ausnahme ist lediglich der Nestlé-Schein, der inzwischen eine sehr kurze Restlaufzeit hat, und sicher noch vor diesem Termin verkauft wird. Genauso wenig möchte ich Neuaufnahmen in einem der Depots für die Zeit bis dahin völlig ausschließen. Denn wenn es jetzt ein besonders starkes Signal gibt, dann kann es nach diesen Terminen schon zu spät sein, noch zu attraktiven Kursen einzusteigen.

Hinweis in eigener Sache: Da ich nächste Woche nicht in meinem Büro bin, kann es sein, dass Sie die Wochenanalyse an einem anderen Tag als gewohnt erhalten. Ihre Depots bleiben selbstverständlich trotzdem unter ständiger Beobachtung.

Marktanalyse

Manchmal kommt es anders als man denkt: Gestern früh sah ein Blick auf die Märkte wie so oft in den letzten Wochen mal wieder nach Langeweile aus. Der DAX stand an der Untergrenze seiner Seitwärtsbewegung, die sich im Mai gebildet hatte – eine enge Handelsspanne von ca. 400 Punkten, die im ganzen Monat nie verlassen wurde. Wenn man überhaupt Bewegung erwartet hätte, dann wohl eher einen Bruch dieser Seitwärtsbewegung nach unten.

Doch dann kam ein richtig starker Tag an fast allen Märkten. Die Leitbörse Nasdaq100 überschritt mit einem Satz sowohl die 50-Tage-Linie als auch die 200-Tage-Linie. Der S&P500 hatte im Rahmen der Korrektur seit April einen kleinen Abwärtskanal gebildet, aus dem er gestern dynamisch nach oben ausbrach. Der DAX überwand ebenfalls eine kleine Abwärtslinie und stand gestern Abend an der Oberkante der genannten Seitwärtsbewegung. Er hatte die volle Spanne des ganzen Monats an nur einem Tag zurück gelegt.

Das zeigt einmal mehr, dass man niemals ohne eindeutige Signale auf etwas spekulieren sollte. Wer aufgrund der müden Märkte der letzten Wochen einfach mal short gegangen ist, wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Jetzt wird es spannend: Wenn diese Woche noch weitere Anschlusskäufe folgen, wird der DAX aus der Seitwärtsbewegung ausbrechen und dann kann es sehr schnell dynamisch nach oben gehen. Viele Trendfolger auf meiner Watchlist haben gestern Kaufsignale gebildet oder sind kurz davor, es zu tun.

Analyse Trendfolger Nestlé

Chart von ProRealTime. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.
Chart von ProRealTime. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Zum letzten Mal, bevor wir den Optionsschein verkaufen müssen, schauen wir uns heute noch einmal Nestlé an. Der Optionsschein ist eigentlich überfällig. Bekanntlich rollen wir die Scheine drei bis sechs Monate vor Fälligkeit und der Nestlé-Schein läuft am 15.9.2016 aus. Andererseits wollte ich ihn auf keinen Fall an der Untergrenze des Aufwärtskanals verkaufen und genau da hat sich Nestlé die letzten Monate gerne aufgehalten. Das scheint sich aber jetzt zu ändern: Momentan kann sich Nestlé von hier nach oben absetzen. Ein kleiner Widerstand ist jetzt noch die blaue Linie, danach folgt das Doppeltop von April und November 2015 als großer Widerstand. An einer dieser beiden Marken werden wir den Nestlé-Schein verkaufen. Der Einstieg erfolgte im Juni 2015 (schwarzer Pfeil), der aktuelle Gewinn beträgt 36%.

Premiumbereich

Die folgenden Inhalte beziehen sich auf Depotübersichten unserer Musterdepots sowie konkrete Handlungsempfehlungen für die Käufe von Aktien und Optionsscheinen auf Trendfolgeaktien. Diese Inhalte sind nur sichtbar für Abonnenten des Premiumbereichs der Lehne Trendfolgestrategie.
Testen Sie den Premiumbereich jetzt einen ganzen Monat lang für nur 1 Euro!
Kündigung während des Probemonats jederzeit möglich, kurze Email an mich genügt und Ihre Zahlungen werden sofort gestoppt.

 

 

Feedback

Wenn Sie Fragen zur Lehne Trendfolgestrategie haben, beantworte ich diese jederzeit gerne persönlich unter trendfolge@lehne.de.

Oder hinterlassen Sie unten einen Kommentar zu diesem Artikel, um ein Feedback abzugeben.

Kategorie:Wochenanalysen

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Artikel von: Stefan Lehne

Zu meiner Person

Mein Name ist Stefan Lehne, von Beruf bin ich Diplom-Kaufmann mit abgeschlossenem Studium der Betriebswirtschaftslehre. Schon während meines Studiums habe ich meine erste eigene Firma gegründet, mit 29 Jahren habe ich sie erfolgreich verkauft. Die Frage, wie ich den Verkaufserlös gewinnbringend an der Börse anlegen und mehren kann, brachte mich damals dazu, mich intensiver mit dem Thema Aktien und Börse zu befassen.

Bereits seit über 15 Jahren investiere ich nun in Aktien und Optionsscheine, auch viele andere Investments habe ich ausprobiert. Dabei musste ich immer wieder die Erfahrung machen, dass die meisten Börsenstrategien langfristig einfach nicht funktionieren. Dies möchte ich Ihnen ersparen. Deshalb habe ich beschlossen, meine Trendfolgestrategie öffentlich zu machen, die mich nunmehr seit 10 Jahren als gewinnbringende Börsenstrategie mit erstaunlichen Erfolgen begeistert.

Meine Trendfolge-Strategie verfolge ich mit echter Leidenschaft. Jeden Morgen analysiere ich die Charts "meiner Trendfolger" und suche die Besten der Besten für Sie heraus. In der Vergangenheit konnte ich selbst erleben, wie mit Trendfolge-Aktien in allen Marktphasen mittelfristig hohe Gewinne erzielt werden können. Mit Optionsscheinen auf solche Aktien können Sie aus einem überschaubaeren Anfangskapital ein echtes Vermögen machen.

Risikohinweise sowie Hinweise bzgl. Interessenkonflikten:
Ziel dieser Website ist es, Trendfolgestrategien vorzustellen. Die hier besprochenen Käufe von Aktien und Optionsscheinen finden in einem real bei einer deutschen Bank geführten Musterdepot statt. Sie können jedoch keine individuelle Anlageempfehlung oder Investmentberatung darstellen. Sie richten sich an eigenverantwortliche Anleger, die Chancen und Risikon von Aktien und Optionsscheinen einschätzen können. Aktien und Optionsscheine sind Investments, bei denen in extremen Fällen eine Position bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sinken kann. Sollte ein Leser oder Abonnent dieser Seite aufgrund von hier getätigten Empfehlungen Anlageentscheidungen treffen, trägt er das volle Risiko der getätigten Investition selbst. In den hier vorgestellten Aktien und Optionsscheinen bin ich selbst investiert, in den Musterdepots mit mindestens 100% des angegebenen Kapitals.