Wochenanalyse Trendfolge

Die Psychologie hinter den Kerzen (Wochenanalyse vom 2.5.2016)

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Neulich saß ich mit einem Freund zusammen und erzählte ihm von meiner Arbeit: Von Aktienanalysen, charttechnischen Formationen und wie man daraus die Zukunft zwar nicht vorhersagen kann, aber zumindest Wahrscheinlichkeiten für die zukünftige Entwicklung einer Aktie berechnen kann. Irgendwann kam dann der Einwand: „Aber das alles hat ja mit dem, was die Firma eigentlich macht, überhaupt nichts mehr zu tun.“

Ganz so ist es natürlich nicht. Zwar sind beliebte charttechnische Hilfsmittel immer auch ein bisschen sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wenn viele Marktteilnehmer auf ein bestimmtes Signal warten und dann aufgrund dieses Signals handeln, dann wird dieses verstärkt und die Aktie läuft vielleicht eine Weile tatsächlich eher in die erwartete Richtung. Hinter dem Aktienkurs stehen am Ende aber die unterschiedlichsten Überlegungen verschiedener Marktteilnehmer – vom Kleinanleger über den institutionellen Anleger bis zum automatisierten Computerhandelssystem. Vom kurzfristigen Trader, der im Minutenhandel kleine Gewinne mitnehmen möchte, über mittelfristige Spekulanten bis hin zu Anlegern, die für ihre Rente sparen und wissen, dass sich mit Aktien langfristig immer mehr Rendite erzielen lässt als mit einem Sparbuch. Vom reinen Charttechniker bis zum Fundamentalanalysten, den die Bilanzen viel mehr interessieren als charttechnische Signale.

Und wenn sich beispielsweise ein Doppeltop bildet, bedeutet das ganz einfach, dass die Marktteilnehmer zweimal nicht bereit waren, mehr als den Preis in diesem Bereich für eine Aktie zu zahlen, weil sie die Zukunftsaussichten der Aktiengesellschaft nicht so positiv sehen, dass es einen höheren Preis rechtfertigen würde.

Was mich aber fasziniert, ist die Psychologie, die man hinter charttechnischen Formationen besonders in Kerzencharts erkennen kann. Das gilt für ein kurzfristiges Reversal genauso wie für eine Schulter-Kopf-Schulter-Formationen, die sich vielleicht über ein ganzes Jahr hinweg ausbildet. Schauen wir uns mal eine klassische kurzfristige Umkehr an. Sie sehen hier die drei Kerzen von Altria vom Donnerstag, 21.4.2016 bis Montag, 25.4.2016 im Candlestick-Chart:

Chart von ProRealTime.
Chart von ProRealTime

Die linke Kerze alleine ist erst einmal ein extrem negatives Signal. Wir erinnern uns: Eine rote Kerze bedeutet, dass der Schlusskurs unterhalb des Eröffnungskurses liegt, die beiden Dochte zeigen den Höchst- und Tiefkurs des Handelstages an. Sie sind hier aber fast nicht vorhanden, das heißt also es gab kein langes hin und her, sondern vom Eröffnungskurs ging es relativ schnell bergab und der Schlusskurs lag in der Nähe des Tiefstandes. Der sehr lange rote Körper zeigt außerdem ein dickes Minus zwischen Handelseröffnung und Tagesschlusskurs. Davor ging es schon 6 Tage lang mehr oder weniger bergab mit Altria und dann sitzt man vor seinem Bildschirm und sieht, dass Altria immer weiter fällt. Da steigt natürlich die Verunsicherung der kurzfristigen Trader und am Ende siegt oft die Angst, einer der größten Feinde des Traders, und man drückt lieber noch auf den Verkaufsknopf.

Diese Angst setze sich am nächsten Tag, dem Freitag, fort. Die Aktie eröffnete in etwa auf dem Schlusskurs des Vortages (Unterkante des grünen Quadrats in der mittleren Kerze) und gab dann wiederum deutlich ab, bis zur Untergrenze des langen Dochts nach unten. Hier fanden dann die letzten Umverteilungen statt: Zittrige Hände verkauften den Wert zum Spottpreis, starke Investoren räumten Altria noch einmal zu einem Preisniveau ab, das es z.B. im Oktober 2015 und zum Jahreswechsel gab. Dann aber, im Lauf des Freitags (also immer noch in der mittleren Kerze), waren alle schwachen Hände aus dem Markt gedrückt. Es fanden sich einfach keine Verkäufer mehr, die ihre Wertanlage zu diesem niedrigen Preis abgeben wollten, und der Aktienkurs wanderte den ganzen Weg des langen Dochts noch am selben Tag wieder nach oben. Doch nicht nur das – Altria drehte am Freitag sogar noch ins Plus und schloss fast auf Tageshöchstkurs. Das ist natürlich den meisten Investoren nicht entgangen. Eine solche Kerze mit einem langen Docht nach unten und einem starken Schlusskurs ist sehr oft ein Zeichen dafür, dass den Bären die Kraft ausgeht und es keine Verkäufer mehr gibt, die kurzfristig zu noch niedrigeren Preisen verkaufen möchten.

Perfekt macht die 3-Kerzen Umkehrformation im Chart dann der Montag. Nach der Eröffnung geht es zwar mit einem mittelgroßen Docht noch einmal ein wenig nach unten, doch es sind zu wenige, die den Anstieg vom Freitag dazu nutzen wollen, jetzt schnell zu verkaufen. Wieder geht den Verkäufern schnell die Luft aus, schon oberhalb des Schlusskurses vom Donnerstag dreht der Trendfolger nach oben. Es setzen Käufe ein, die für einen großen grünen Körper fast ohne oberen Docht sorgen. Altria schließt an diesem Tag auf Höchstkurs, das Vertrauen in die Aktie ist zurück, die Umkehr geschafft.

Natürlich ist diese Betrachtung sehr kurzfristig und sagt nichts über die langfristige Entwicklung. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer solchen Umkehrformation in den Folgetagen der Aktienkurs ohne negative äußere Einflüsse gleich wieder fällt, ist extrem gering. Und so schrieb ich letzte Woche im Bereich für Premiumabonnenten: „Altria ist letzte Woche erst einmal weiter gefallen, hat dann aber am Freitag ein Intraday-Reversal hingelegt. Seitdem geht es wieder aufwärts. Ich habe den Schein deshalb jetzt wieder auf Kaufen gesetzt.“ Tatsächlich stieg Altria dann weiter bis zum März-Hoch.

Gleichzeitig bietet Ihnen eine solche Formation übrigens ein perfektes Ausstiegs-Szenario für kurz- bis mittelfristige Anlagen. Diesmal wollten unterhalb des langen Dochts der mittleren Kerze keine Anleger mehr verkaufen. Wenn sich diese Meinung am Markt jedoch ändert, der Aktienkurs diesen Bereich noch einmal anläuft, ihn sogar unterschreitet und sich dort weitere Verkäufer finden, dann wird es Zeit, sich von der Aktie oder Optionsscheinen auf den Trendfolger zu trennen, es sei denn, Sie haben einen so langfristigen Anlagehorizont, dass Sie auch eine etwas größere Korrektur gelassen aussitzen können.

Marktanalyse

Der Nasdaq100 hat letzte Woche kräftig korrigiert und ist weiterhin das Sorgenkind unter den Indizes. Es sind allerdings zwei Dinge, die die Lage noch nicht ganz negativ aussehen lassen: Zum einen gab es auch im Nasdaq100 am Freitag einen langen Docht nach unten, auch wenn dieser nicht ganz so schön aussieht, wie in der Altria-Analyse oben. Zum zweiten hat bisher keiner der Indizes ein Doppeltop oder auch nur ein signifikantes höheres Hoch ausgebildet. Auch wenn an der Börse alles möglich ist – dass die Kurse einfach so ohne Topbildung nach unten wegrutschen, kommt zumindest sehr selten vor. DAX und S&P500 haben die von mir in den letzten Wochenanalysen genannten kritischen Marken am Freitag zwar leicht unterschritten, ein nachhaltiger Bruch sieht jedoch anders aus. Wenn sich die Indizes nun schnell wieder erholen, ist kurzfristig wieder alles im grünen Bereich. Allerdings bleibe ich in erhöhter Alarmbereitschaft: Geht es von den aktuellen Niveaus weiter bergab, hören Sie in den nächsten Tagen von mir. Dann werden wir die Investitionsquote reduzieren oder Absicherungspositionen aufbauen.

Analyse Trendfolger Wirecard

Chart von ProRealTime. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.
Chart von ProRealTime. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Wirecard hatten wir im Oktober 2015 gekauft und anfangs entwickelte sich die Investition auch ganz nach unseren Vorstellungen im Trendkanal nach oben. Ende Februar kam dann die hier schon öfter thematisierte ominöse Studie über Wirecard, die den Kurs plötzlich und unerwartet nach unten drückte. Im März sehen Sie dann im Wochenchart eine ähnliche 3-Kerzen-Umkehrformation, wie im Tageschart von Altria oben – eine lange rote Kerze, eine Kerze mit einem langen Docht nach unten, eine lange grüne Kerze. Letzte Woche hat Wirecard mit guten Quartalszahlen überzeugt und erst einmal den Ausbruch nach oben geschafft. Nun wird es spannend, ob der Trendkanal bald zurück erobert werden kann. Wären wir hier besser gefahren, wenn wir bei allen Aktien grundsätzlich einen Stop Loss setzen würden? Zwischenzeitlich sah es so aus, aus heutiger Sicht jedoch ganz klar Nein! Den Stop Loss hätten wir sicher unterhalb des Trendkanals setzen müssen, vielleicht im Bereich zwischen 35€ und 36€. Zu welchem Kurs wir dann im panikartigen Abverkauf vom 24.2. ausgeführt worden wären, als die Aktie an einem Tag 35% verlor, ist die andere Frage. So oder so – heute steht die Aktie wieder besser da.

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Kategorie:Wochenanalysen

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Artikel von: Stefan Lehne

Zu meiner Person

Mein Name ist Stefan Lehne, von Beruf bin ich Diplom-Kaufmann mit abgeschlossenem Studium der Betriebswirtschaftslehre. Schon während meines Studiums habe ich meine erste eigene Firma gegründet, mit 29 Jahren habe ich sie erfolgreich verkauft. Die Frage, wie ich den Verkaufserlös gewinnbringend an der Börse anlegen und mehren kann, brachte mich damals dazu, mich intensiver mit dem Thema Aktien und Börse zu befassen.

Bereits seit über 15 Jahren investiere ich nun in Aktien und Optionsscheine, auch viele andere Investments habe ich ausprobiert. Dabei musste ich immer wieder die Erfahrung machen, dass die meisten Börsenstrategien langfristig einfach nicht funktionieren. Dies möchte ich Ihnen ersparen. Deshalb habe ich beschlossen, meine Trendfolgestrategie öffentlich zu machen, die mich nunmehr seit 10 Jahren als gewinnbringende Börsenstrategie mit erstaunlichen Erfolgen begeistert.

Meine Trendfolge-Strategie verfolge ich mit echter Leidenschaft. Jeden Morgen analysiere ich die Charts "meiner Trendfolger" und suche die Besten der Besten für Sie heraus. In der Vergangenheit konnte ich selbst erleben, wie mit Trendfolge-Aktien in allen Marktphasen mittelfristig hohe Gewinne erzielt werden können. Mit Optionsscheinen auf solche Aktien können Sie aus einem überschaubaeren Anfangskapital ein echtes Vermögen machen.

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