Warum Optionsscheine und Stop Loss sich nicht vertragen

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Wenn Sie alle Lektionen meines Gratis-Trendfolge-Kurses bisher durchgearbeitet haben, dann wissen Sie bereits, wie Sie Trendfolge-Aktien für lukrative Investitionen finden und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um einen bevorstehenden Trend-Schub zu identifizieren. Sie wissen außerdem, wie Sie passende Optionsscheine finden, um Trends gehebelt zu begleiten und so noch mehr Geld zu verdienen. Danach brauchen Sie vor allem eines: Vertrauen, dass Ihre Trading-Idee aufgeht. Dazu gehört auch, der Aktie den Platz zu lassen, den sie zum Schwanken braucht. Stop Loss Orders brauchen Sie bei regelmäßiger Überwachung nicht. Im Zusammenhang mit Optionsscheinen sind sie sogar sehr schädlich.

Wann Sie einen Trendfolger verkaufen sollten

Natürlich will ich damit nicht sagen, dass Sie tatenlos zusehen sollen, wenn eine Trendfolgeaktie immer weiter sinkt und ein Optionsschein immer weniger wert wird. Ich weiss, dass manchmal im Zusammenhang mit langfristiger Trendfolge genau diese Vorgehensweise propagiert wird nach dem Motto “Eine Trendfolgeaktie hat immer genügend Wachstumspotential.” Ich halte diese Ansicht für falsch. Wenn Sie eine Trendfolgeaktie gekauft haben und Sie sehen, dass diese nicht weiter steigt, sondern das letzte markante Tief unterschreitet und somit den Aufwärtstrend vorerst verlässt, dann verkaufen Sie sie konsequent.

Je nachdem, ob Sie in Aktien oder Optionsscheine investiert sind, sollten Sie dabei unterschiedliche Zeithorizonte anlegen, um markante Tiefs zu identifizieren. Wenn Sie eine echte Qualitätsaktie gefunden haben, die Sie über Jahre oder Jahrzehnte hinweg halten möchten, macht es natürlich keinen Sinn, sie sofort zu verkaufen, wenn sie das Zwischentief der Vorwoche unterschreitet. Hier können Sie auch größere Schwankungen aussitzen und müssen nur dann eingreifen, wenn der ganz große primäre Aufwärtstrend nach unten verlassen wird. Bei Optionsscheinen dagegen sollten Sie ruhig etwas früher eingreifen.

Die Schwankungen von Optionsscheinen

Es wäre absurd zu glauben, dass es Anlageformen gibt, die 100% oder 200% Gewinn machen können, ohne dazwischen stark zu schwanken. Die täglichen Schwankungen gehören zur Investition in Optionsscheine einfach dazu. Nur wenn Sie diese gelassen hinnehmen können, weil Sie wissen, dass Ihre Trendfolge-Investments früher oder später wieder auf neue Höchststände steigen, werden Sie ein erfolgreicher Trendfolgeinvestor. Oft verliert ein Optionsschein direkt nach der Investition erst einmal 20-30%, bevor er deutlich in den Gewinn läuft. Das ist normal und gehört dazu, wenn Sie in Optionsscheine investieren.

Manchmal gibt es gerade vor dem nächsten Schub nach oben noch einmal einen kleinen letzten Ausverkauf, bei dem die letzten schwachen Hände aus einer starken Aktie aussteigen, weil sie es nicht besser wissen. Genau dieser letzte Ausverkauf ist der, der Sie zum niedrigsten Kurs aus Ihrem Investment werfen wird, wenn Sie einen Stop Kurs an der Börse gesetzt haben. Wem dies öfters passiert, der glaubt manchmal, die ganze Finanzwelt hätte sich gegen ihn verschworen, weil er stets ungünstig ausgestoppt wird und hinterher den steigenden Kursen nur noch zuschauen kann. Natürlich verschwört sich niemand gegen einen einzelnen Kleinanleger. Es liegt einfach daran, dass Stopp-Kurse falsch gesetzt werden und eine eigentlich richtige Trading-Idee deshalb nicht genügend Raum hat, sich zu entwickeln.

Kurz- bis mittelfristige Schwankungen und auch starke Intraday-Schwankungen gefährden den Aufwärtstrend nicht, wenn Sie das richtige Investment ausgewählt haben. Denken Sie nur an den Blitzcrash von Ende August 2015. Starke Aktien verloren plötzlich 25% und holten fast alles wieder bis zum Handelsschluss auf. Sie können sich vorstellen, welche Kapriolen Optionsscheine in solchen Situationen schlagen. Der Nike-Optionsschein, den wir damals im Premium-Depot hielten, war am 20.8.2015 schon bei 1,36€ gestanden. Am 21.8. notierte er schon schwächer und am 24.8. eröffnete der Optionsschein nach dem Wochenende zu einen Kurs von 0,66€ – genau 50% unter dem Höchststand ein paar Tage vorher. Am 28.8. war der Spuk jedoch schon wieder vorbei: Der Schein stand bei 1,29€ und erreichte schließlich Mitte September neue Höchststände. Die Dummen waren am Ende die, die in Panik verfallen sind oder einen Stop Loss gesetzt hatten und dadurch zum ungünstigsten Kurs am Montag morgen verkauft hatten.

Stop Loss und Optionsscheine vertragen sich nicht

Es macht deshalb absolut keinen Sinn, einen Optionsschein mit einem Stop Loss abzusichern – schon deshalb nicht, weil Sie den Stop-Kurs im Optionsschein nicht exakt bestimmen können, wenn Sie bei einem bestimmten Niveau des Basiswerts aussteigen möchten. Sie finden im Internet zwar Optionsschein-Rechner, die Ihnen anzeigen, welcher Kurs im Basiswert zu welchem Kurs im Optionsschein führt. Diese Rechner gehen aber immer von ansonsten unveränderten Rahmenbedingungen aus, also z.B. unveränderter Volatilität. Sobald die implizite Volatilität sich ändert, stimmt die Rechnung schon nicht mehr.

Wenn Sie es also gar nicht aushalten können, ein Investment ohne Stop Loss zu tätigen, dann wählen Sie Knock Out Optionsscheine anstelle von klassischen Optionsscheinen. Bei diesen lässt sich der Stop-Kurs viel genauer bestimmen. Meine 15-jährige Börsenerfahrung hat mir jedoch eindeutig gezeigt, dass Sie am Ende mit solchen Stop Loss Kursen immer schlechter fahren, als wenn Sie Ihren Investments den Raum zum Schwanken geben, den sie brauchen.

Der Irrglaube: Ein Stop Loss sichert Ihnen nicht einen festgelegten Teil Ihres Kapitals!

Es ist ja ohnehin ein Irrglaube, dass ein Stop Loss Sie vor starken Kursverlusten schützen kann und Ihnen einen bestimmten Resterlös auf jeden Fall sichert. In volatilen Zeiten finden viele Bewegungen außerhalb der Börsenhandelszeiten statt, so dass der erste Kurs zum Handelsbeginn einen großen Abstand zum letzten Kurs des Vortages haben kann. Man spricht dann von einer Kurslücke, oder auf Englisch einem Gap. Solche Gaps kommen im Aktienhandel sehr oft vor, wenn ein Unternehmen beispielsweise nach Börsenschluss noch Quartalszahlen veröffentlicht und diese nicht so ausfallen wie von den Anlegern erhofft. Sie können aber auch marktbreit vorkommen, wenn beispielsweise über Nacht oder über ein Wochenende schlechte Nachrichten auftauchen.

Bleiben wir beim Beispiel unseres Nike Optionsscheins und dem Zeitraum von Ende August. Am 21.8.2015 – vor dem Wochenende – schloss der Schein mit einem Kurs von 0,95€, dies war auch gleichzeitig das Tagestief. Nehmen wir an, Sie hätten 1000 solcher Scheine im Depot gehabt und einen Stop Loss bei 0,90€ gesetzt. Glauben Sie, Sie hätten dann selbst im schlimmsten Fall immerhin noch 900€ erlöst? Nein, natürlich nicht. Der erste Eröffnungskurs vom Montag morgen war bereits der Tiefstkurs bei 0,66€ und zu genau diesem Kurs wäre Ihr Stop Loss, den Sie bei 0,90€ gesetzt hatten, auch ausgeführt worden. Anstatt 900€ wären Ihnen nur 660€  geblieben.

Dass der erste Eröffnungskurs nach einer Kurslücke gleichzeitig der tiefste Kurs ist und Sie mit einer Stop Loss Order genau zu diesem Tiefstand ausgeführt werden, kommt immer wieder vor. Ein noch schlechteres Geschäft können Sie gar nicht machen.

Die Alternative zum Stop Loss: Fortlaufende Überwachung

Eine Stop Loss Order brauchen Sie nur dann, wenn Sie in eine schwankungsfreudige Anlageform wie Devisen oder Rohstoffe investieren, wenn Sie eine Anlageform mit kurzfristigem Totalverlustrisiko wie Knock Outs wählen oder wenn Sie Ihre Investments nach dem Kauf nicht mehr fortlaufend überprüfen möchten. Eine Investition in Optionsscheine kommt dann aber ohnehin für Sie nicht in Frage, denn Optionsscheine müssen fortlaufend überwacht werden, mindestens einmal wöchentlich, am besten jedoch täglich.

Wenn Sie eine solche fortlaufende Überwachung durchführen können (oder mich dafür bezahlen, dass ich Ihnen im Rahmen des Premiumdienstes Empfehlungen gebe, die ich täglich für Sie überwache), dann ist ein Stop Loss für Sie vollkommen überflüssig. Beobachten Sie bei dieser Überwachung nicht vorrangig die Wertentwicklung des Optionsscheins. Diese wird immer sehr volatil sein. Beobachten Sie stattdessen den Basiswert und verkaufen Sie den Optionsschein konsequent, wenn Sie sehen, dass der Basiswert nicht mehr so läuft, wie Sie es sich vorstellen. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn der Aufwärtstrend verlassen wird.

Ein Totalverlust mit klassischen Optionsscheinen ist mit dieser Vorgehensweise nahezu ausgeschlossen, denn selbst wenn Sie einen Optionsschein nach einem starken Kursrückgang des Basiswerts verkaufen, bleibt Ihnen immer noch der Zeitwert, den Sie beim Verkauf erlösen können. Als wir in der Korrektur des Jahres 2015 im Premiumdienst einige Optionsscheine mit Verlust veräußern mussten, weil die entsprechenden Trendfolger ihre Aufwärtstrends verlassen hatten, erlitten wir keinen einzigen Totalverlust. Der höchste Verlust, den wir mit einem Calls in diesem Zeitraum realisieren mussten, war ein Apple-Call mit gut 50% Minus.

Genau auf solche Verluste müssen Sie vorbereitet sein, wenn Sie die Trendolge-Strategie langfristig verfolgen wollen – und nur dann macht sie Sinn. Nicht jede Trading-Idee wird aufgehen. Nicht jede Marktphase wird nur Gewinntrades liefern. Und wenn es schlecht läuft, werden wir ab und zu auch einmal Scheine mit Verlusten um die 50% verkaufen müssen. Die Gewinntrades, die gut laufen, werden solche Verluste jedoch mehr als ausgleichen, denn sie liefern meistens zwischen 100% und 200% Gewinn.

Fazit Stop Loss

Stop Loss Orders und Optionsscheine vertragen sich nicht. Geben Sie Trendfolgern und insbesondere Optionsscheinen auf Trendfolge-Aktien immer den Platz, den diese zum Schwanken brauchen. Auch ein starker Trendfolger korrigiert einmal, ohne dass der Aufwärtstrend gefährdet ist und steigt anschließend dennoch auf neue Höchststände. Beobachten Sie Ihre Investments aber regelmäßig – bei Optionsscheinen am besten täglich – und steigen Sie konsequent aus, wenn der Aufwärtstrend verlassen wird. Sie erlösen dann selbst bei negativer Entwicklung der Trading-Idee immer noch den Zeitwert des Optionsscheins und können selbst im schlechtestmöglichen denkbaren Fall meistens noch ca. 50% des Investments erlösen.