Wochenanalyse Trendfolge

Was Optionsscheine sind und warum wir sie rollen müssen

Letzte Woche schrieb ich Ihnen im Millionen-Depot: „ASML hat seine Korrektur beendet und steigt wieder dynamisch. Ich habe gestern für Sie analysiert, ob es Sinn macht, den Schein jetzt schon zu rollen.“ Ich wurde daraufhin von einigen Lesern gefragt, was dieses „Rollen“ überhaupt bedeutet. Deswegen möchte ich heute noch einmal mit Ihnen besprechen, wie klassische Optionsscheine funktionieren und warum wir sie rollen müssen.

Optionsscheine sind der kleine Bruder von Optionen. Optionen sind Optionsscheinen grundsätzlich vorzuziehen. Sie sind aber für einen Börsendienst wie Lehne’s MegaTrends aus 2 Gründen nicht geeignet: Erstens hat nicht jeder Leser Zugang zu den Terminbörsen, an denen Optionen gehandelt werden. Außerdem kann man Optionen selten in Tranchen von 1.000 oder gar 500 Euro kaufen. Hierfür brauchen Sie viel mehr Kapital.

Bei einer Option oder einem Optionsschein verbrieft Ihnen der sogenannte Stillhalter das Recht, eine Aktie zu einem festgelegten späteren Zeitpunkt für einen gewissen Betrag von ihm zu kaufen. Unser Facebook-Optionsschein hat beispielsweise eine Basis von 180 US-Dollar und verfällt am 19.12.2018. Würden wir den Schein bis zu diesem Termin halten und Facebook wäre dann 200 US-Dollar wert, dann würden wir 20 US-Dollar gutgeschrieben bekommen. Denn abgerechnet wird bei Optionsscheinen nur die Differenz. Diese errechnet sich so, als ob Sie die Aktie am Verfallstag im Dezember 2018 für 180 Euro vom Stillhalter kaufen (Ihr verbrieftes Recht) und sofort zum dann aktuellen Kurs von 200 US-Dollar am freien Markt wieder verkaufen.

Optionen werden meist in 100-er-Paketen gehandelt. Optionsscheine haben dagegen oft ein Bezugsverhältnis von weniger als 1. Dadurch kostet ein einzelner Optionsschein sehr wenig und ist für Kleinanleger die beste Wahl. Bei unserem Facebook-Schein ist es 0,1. Das heißt, wir haben das Recht, eine Zehntel-Aktie für 180 US-Dollar zu kaufen und bekommen im obigen Beispiel pro Schein nicht 20 US-Dollar, sondern nur 2 US-Dollar (umgerechnet in Euro) gutgeschrieben. Übrigens: Schließt Facebook am 19.12.2018 bei 180 US-Dollar oder darunter, verfällt der Schein wertlos.

Stillhalter von Optionen kann jedermann werden – auch Sie selbst, wenn Sie Zugang zu den Terminbörsen haben. Sie bekommen vom Käufer dann die Prämie gutgeschrieben, die die Option kostet und tragen im Gegenzug das Risiko, bei steigenden Kursen die genannte Differenz zahlen zu müssen. Bei Optionsscheinen ist ihr Handelspartner der Emittent, also die ausgebende Bank. Sie trägt das Risiko aus dem Geschäft in der Regel nicht selbst, sondern sichert sich im Hintergrund ab. Diese Vorgänge sind für uns aber nicht von Bedeutung.

Ein Stillhalter geht theoretisch ein unbegrenztes Risiko ein: Steht Facebook am Verfallstag nicht bei 200 US-Dollar, sondern bei 500 US-Dollar, bekommen wir nicht 2 US-Dollar pro Schein, sondern satte 32 US-Dollar gutgeschrieben. Zur Erinnerung: Gekostet hat uns der Schein ursprünglich 1,99 Euro.

Dieses unlimitierte Risiko lassen sich die Stillhalter schon beim Kauf des Scheins von Ihnen bezahlen. Die 1,99 Euro mussten wir bezahlen, obwohl der Kurs beim Kauf noch in der Nähe des Basispreises stand. Einen sogenannten inneren Wert, also eine Differenz zwischen Aktienkurs und Basispreis, hatte der Schein damals noch nicht.

Die Höhe des Risikos bestimmt den Zeitwert des Optionsscheins. Je näher der Verfallstag rückt, desto besser kann der Stillhalter bestimmen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Schein verfällt oder wie weit er wohl ins Geld läuft. Deshalb sinkt die Risikoprämie, wenn der Verfallstag näher rückt. Das ist der Zeitwertverlust. Er bewirkt, dass ein klassischer Optionsschein immer weniger wert wird, wenn der Basiswert sich im Kurs nicht bewegt.

Neben der Restlaufzeit bestimmt sich der Zeitwert durch die Volatilität des Basiswerts. Bei einem schwankungsfreudigen Wert lässt sich die Entwicklung schwerer abschätzen: die Risikoprämie steigt.

In den letzten 3-6 Monaten vor dem Verfallstag beschleunigt sich dieser Zeitwertverlust. Mit einer immer höheren Geschwindigkeit wird der Schein weniger wert, wenn der Basiswert auf der Stelle tritt oder gar sinkt. Für uns steigt dann das Risiko der Position rapide an. Deshalb behalten wir Scheine nie bis zum Verfallstag, sondern kaufen spätestens im letzten halben Jahr einen Schein mit angepasster Basis und neuer Laufzeit, wenn es vorher keinen Verkaufsgrund gibt. Das nennt man dann „Rollen“.

Übrigens: Ein klassischer Optionsschein hat kein Knock-Out-Level! Theoretisch kann Facebook während der Laufzeit auf 10 US-Dollar sinken und dann wieder auf 200 US-Dollar steigen. Auch dann bekommen wir die 2 US-Dollar pro Schein gutgeschrieben.

Knock-Out-Optionsscheine empfehle ich nur in Ausnahmefällen, z. B., wenn bei einem sehr volatilen Wert die Risikoprämie zu hoch ist oder wenn es für den gewünschten Basiswert keine klassischen Optionsscheine gibt. Knock Outs sind ein völlig anderes Konstrukt als klassische Optionsscheine und haben keinen nennenswerten Zeitwertverlust. Dafür besteht bei dieser Art von Optionsscheinen ein erhöhtes Totalverlustrisiko, weil sie beim Erreichen einer bestimmten Kursschwelle sofort verfallen und ganz oder fast ohne Restwert abgerechnet werden.

Fazit

Im Preis eines Optionsscheins ist immer ein Zeitwert mit eingerechnet. Dieser sinkt, wenn der Verfallstag näher rückt, auch wenn der Basiswert nicht fällt, sondern seitwärts läuft. Wir reden vom Zeitwertverlust. In den letzten 3-6 Monaten vor dem Verfallstag beschleunigt sich dieser Zeitwertverlust rapide. Deswegen rollen wir den Schein spätestens dann in einen neuen Schein mit angepasster Basis und Laufzeit oder wir nehmen den Gewinn mit.

 

Marktanalyse

Eine ruhige Handelswoche liegt hinter uns. Am vergangenen Donnerstag war in den USA Thanksgiving, die Börsen waren geschlossen.

Auch der Freitag war nur ein halber Handelstag: Der Brückentag nach Thanksgiving ist der berühmte Black Friday. An diesem Tag startet in den USA traditionell das Weihnachtsgeschäft, die Händler locken mit dicken Rabatten. Heutzutage wird er auch bei uns überall groß beworben.

Der Black Friday lief gut: Die Online-Umsätze stiegen und erreichten ein neues Rekordniveau. Damit dürfte auch der Boden für eine Jahresendrallye bereitet sein. Ihr Depot wird es danken.

Premiumbereich

Die folgenden Inhalte beziehen sich auf Depotübersichten unserer Musterdepots sowie konkrete Handlungsempfehlungen für die Käufe von Aktien und Optionsscheinen auf Trendfolgeaktien. Diese Inhalte sind nur sichtbar für Abonnenten des Premiumbereichs der Lehne Trendfolgestrategie. Leser des Börsenbriefs „Lehne’s MegaTrends“ erhalten die Informationen als pdf per Email zugesandt.
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Artikel von: Stefan Lehne

Zu meiner Person

Mein Name ist Stefan Lehne, von Beruf bin ich Diplom-Kaufmann mit abgeschlossenem Studium der Betriebswirtschaftslehre. Schon während meines Studiums habe ich meine erste eigene Firma gegründet, mit 29 Jahren habe ich sie erfolgreich verkauft. Die Frage, wie ich den Verkaufserlös gewinnbringend an der Börse anlegen und mehren kann, brachte mich damals dazu, mich intensiver mit dem Thema Aktien und Börse zu befassen.


Bereits seit über 15 Jahren investiere ich nun in Aktien und Optionsscheine, auch viele andere Investments habe ich ausprobiert. Dabei musste ich immer wieder die Erfahrung machen, dass die meisten Börsenstrategien langfristig einfach nicht funktionieren. Dies möchte ich Ihnen ersparen. Deshalb habe ich beschlossen, meine Trendfolgestrategie öffentlich zu machen, die mich nunmehr seit 10 Jahren als gewinnbringende Börsenstrategie mit erstaunlichen Erfolgen begeistert.



Meine Trendfolge-Strategie verfolge ich mit echter Leidenschaft. Jeden Morgen analysiere ich die Charts „meiner Trendfolger“ und suche die Besten der Besten für Sie heraus. In der Vergangenheit konnte ich selbst erleben, wie mit Trendfolge-Aktien in allen Marktphasen mittelfristig hohe Gewinne erzielt werden können. Mit Optionsscheinen auf solche Aktien können Sie aus einem überschaubaeren Anfangskapital ein echtes Vermögen machen.


Risikohinweise sowie Hinweise bzgl. Interessenkonflikten:

Ziel dieser Website ist es, Trendfolgestrategien vorzustellen. Die hier besprochenen Käufe von Aktien und Optionsscheinen finden in einem real bei einer deutschen Bank geführten Musterdepot statt. Sie können jedoch keine individuelle Anlageempfehlung oder Investmentberatung darstellen. Sie richten sich an eigenverantwortliche Anleger, die Chancen und Risikon von Aktien und Optionsscheinen einschätzen können. Aktien und Optionsscheine sind Investments, bei denen in extremen Fällen eine Position bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sinken kann. Sollte ein Leser oder Abonnent dieser Seite aufgrund von hier getätigten Empfehlungen Anlageentscheidungen treffen, trägt er das volle Risiko der getätigten Investition selbst. In den hier vorgestellten Aktien und Optionsscheinen bin ich selbst investiert, in den Musterdepots mit mindestens 100% des angegebenen Kapitals.