Wochenanalyse Trendfolge

Faktorzertifikate – ein erstaunliches Praxisbeispiel

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Letzte Woche haben wir uns theoretisch angeschaut, welche Vor- und Nachteile Faktorzertifikate für Ihr Depot haben. Heute folgt die Praxis. Wir schauen uns das Faktor 4 Zertifikat auf Evotec aus unserem Extra-Depot an.

Chart von ProRealTime. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.
Chart von Guidants. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Sie sehen hier die Entwicklung der Evotec-Aktie und des zugehörigen Faktorzertifikats von Juli bis November 2017 direkt untereinander. Der Chart für das Zertifikat stammt aus der Plattform Guidants (https://go.guidants.com), da mein Anbieter Prorealtime keine Charts für Derivate anbietet.

Überprüfen wir meine Aussagen von letzter Woche:

Ein Faktorzertifikat verliert an Wert, wenn der Basiswert unter starken Schwankungen seitwärts läuft

Ein solches Verhalten zeigte Evotec von Mitte Juli bis Mitte August 2017 (Situation 1 in den Charts). Der Höchstkurs der Evotec-Aktie betrug am 14.7.2017 14,71 Euro. Anschließend korrigierte die Aktie in kurzer Zeit bis auf einen Schlusskurs von etwa 11,60 Euro. Das entspricht gut 20 %. Nach einer kurzen Seitwärtsphase stieg Evotec wieder. Am 14.8.2017, exakt einen Monat nach dem Start unserer Betrachtung, notierte die Aktie auf einem Höchstkurs von 14,69 Euro, fast als wäre im abgelaufenen Monat nichts geschehen.

Doch im Faktorzertifikat geschah sehr wohl etwas: Während am 14.7.2017 der Höchstkurs des Derivats noch 127,99 Euro betrug, waren es am 14.8.2017 nur noch 103,97 Euro.

Obwohl die Aktie also fast exakt zum gleichen Kurs notierte wie einen Monat früher, verlor das Faktorzertifikat in dieser Zeit fast 20 % an Wert.

Das meinte ich letzte Woche, als ich Ihnen schrieb, dass Faktorzertifikate an Wert verlieren können, wenn der Basiswert seitwärts läuft – ähnlich wie beim Zeitwertverlust eines Optionsscheins. Beim Faktorzertifikat hat dieser Verlust lediglich eine andere Ursache als beim Optionsschein. Er ist umso größer, je stärker die Schwankung der Seitwärtsbewegung ist.

Ein Faktorzertifikat entwickelt sich ganz erstaunlich, wenn der Basiswert kontinuierlich zulegt

Schauen Sie sich für diese Aussage die Situation 2 an: Vom 4.8.2017 bis 4.10.2017 gab es 2 Monate lang kein Halten mehr für Evotec. Es gibt in dieser Zeit dreimal so viele grüne wie rote Kerzen. Die einzige Korrektur war eine zweiwöchige Seitwärtsbewegung mit geringen Schwankungen.

Am 4.8.2017 eröffnete Evotec zum Kurs von 11,97 Euro. Der Schlusskurs 2 Monate später betrug 22,38 Euro – satte 87 Prozent Plus. Wenn Sie glauben, ein Faktor 4 Zertifikat würde in dieser Zeit „nur“ 348 Prozent (= 4 x 87 %) zulegen, liegen Sie falsch. Hier kommt der Zinseszinseffekt ins Spiel.

Das Zertifikat eröffnete am 4.8.2017 bei 49,58 Euro und es schloss am 4.10.2017 bei 503,30 Euro. In nur 2 Monaten hatte es sich mehr als verzehnfacht – wow!

Alles Eitel Sonnenschein? Mitnichten. Denn nun kommt meine dritte Aussage ins Spiel.

Ein Faktorzertifikat läuft mit vollem Hebel in eine Korrektur

Mal ehrlich: Hätten Sie ein Zertifikat, das sich gerade verzehnfacht hat, verkaufen wollen?

Zwischen dem 4.8.2017 und dem 17.11.2017 korrigierte Evotec heftig (Situation 3). Von 22,38 Euro ging es wieder hinunter auf einen Schlusskurs von 12,39 Euro. Das Faktorzertifikat fiel in dieser Zeit von 502,30 Euro auf 24,09 Euro (!). Die armen Anleger, die sich Anfang Oktober zum Höchstkurs noch euphorisch anstecken ließen, verloren mit dem Zertifikat mehr als 95 % Ihres Einsatzes!

Wann hätte man eine realistische Chance gehabt, rauszukommen? Die ersten roten Kerzen nach dem steilen Anstieg wurden damals als normale und gesunde Korrektur in einem intakten Aufwärtstrend angesehen, viele Anleger kauften damals sogar nach. Frühestens Ende Oktober war klar, dass hier mehr als eine normale Korrektur kommen könnte. Damals stand das Zertifikat bei um die 100 Euro. Alle, die erst in der zweiten Hälfte der Aufwärtsbewegung eingestiegen sind, hätten mit dem Zertifikat Geld verloren. Und selbst diejenigen, die vorher eingestiegen sind, mussten erst einmal verkraften, vom Höchststand vier Fünftel des Gewinns wieder verloren zu haben.

Beachten Sie auch, dass die Bewegung 3 in der Aktie ziemlich genau dort endet, wo in die Bewegung 1 begonnen hatte, sogar ein bisschen höher. Das Zertifikat dagegen stand nach der Abwärtsbewegung um satte 50 % tiefer als zu Beginn der Rallye Anfang August. Das ist ein weiterer Beleg für die die erste Aussage, dass ein Faktorzertifikat bei Seitwärtsbewegungen mit starken Schwankungen an Wert verliert. Es ist in diesem Fall egal, ob die Aktie zuerst fällt und dann steigt oder umgekehrt.

Fazit

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte mit diesen Ausführungen keinesfalls sagen, dass Faktorzertifikate generell schlecht sind – sonst hätten wir sie nicht als Beimischung in unseren Depots.

Ich möchte sie nur ins rechte Licht rücken, die Probleme der Konstruktion aufzeigen und mit dem Nimbus aufräumen, dass solche Zertifikate für Trendfolger immer die überlegenen Derivate schlechthin sind.

Wir werden uns diese Papiere noch ein weiteres Mal in einer der nächsten Wochenausgaben anschauen. Dann betrachten wir den Fall eines Knock Outs, der bei solchen Zertifikaten Reset heißt.

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Die folgenden Inhalte beziehen sich auf Depotübersichten unserer Musterdepots sowie konkrete Handlungsempfehlungen für die Käufe von Aktien und Optionsscheinen auf Trendfolgeaktien. Diese Inhalte sind nur sichtbar für Abonnenten des Premiumbereichs der Lehne Trendfolgestrategie. Leser des Börsenbriefs „Lehne’s MegaTrends“ erhalten die Informationen als pdf per Email zugesandt.
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Kategorie:Wochenanalysen

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Artikel von: Stefan Lehne

Zu meiner Person

Mein Name ist Stefan Lehne, von Beruf bin ich Diplom-Kaufmann mit abgeschlossenem Studium der Betriebswirtschaftslehre. Schon während meines Studiums habe ich meine erste eigene Firma gegründet, mit 29 Jahren habe ich sie erfolgreich verkauft. Die Frage, wie ich den Verkaufserlös gewinnbringend an der Börse anlegen und mehren kann, brachte mich damals dazu, mich intensiver mit dem Thema Aktien und Börse zu befassen.

Bereits seit über 15 Jahren investiere ich nun in Aktien und Optionsscheine, auch viele andere Investments habe ich ausprobiert. Dabei musste ich immer wieder die Erfahrung machen, dass die meisten Börsenstrategien langfristig einfach nicht funktionieren. Dies möchte ich Ihnen ersparen. Deshalb habe ich beschlossen, meine Trendfolgestrategie öffentlich zu machen, die mich nunmehr seit 10 Jahren als gewinnbringende Börsenstrategie mit erstaunlichen Erfolgen begeistert.

Meine Trendfolge-Strategie verfolge ich mit echter Leidenschaft. Jeden Morgen analysiere ich die Charts "meiner Trendfolger" und suche die Besten der Besten für Sie heraus. In der Vergangenheit konnte ich selbst erleben, wie mit Trendfolge-Aktien in allen Marktphasen mittelfristig hohe Gewinne erzielt werden können. Mit Optionsscheinen auf solche Aktien können Sie aus einem überschaubaeren Anfangskapital ein echtes Vermögen machen.

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