Wochenanalyse Trendfolge

Wird 2017 für Europa erneut zum Krisenjahr?

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Ich hoffe, Sie gehören nicht zu den Menschen, die sich von Weltuntergangspropheten verunsichern lassen. Sie werden immer jemanden finden, der überall Krisenzeichen sieht und Sie davor warnt, in Aktien zu investieren. Schließlich ist es doch kein guter Zeitpunkt, wenn die Zeiten so unsicher sind?

Fakt ist: Wenn über der Weltwirtschaft nur die Sonne scheint, wenn alles perfekt läuft und die Wirtschaft in den USA und Europa brummt, dann ist es kein guter Zeitpunkt mehr zum Investieren. Denn dann stehen die Kurse schon viel zu hoch. Die professionellen Anleger beginnen in solchen Phasen längst, ihre Positionen schrittweise zu reduzieren und ahnungslosen Kleinanlegern überbewertete Aktien zu Höchstpreisen anzudrehen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass man alles Negative ausblenden sollte. Es kann nicht schaden, mögliche Krisenszenarien im Hinterkopf zu behalten. Ich möchte deshalb heute mit Ihnen die Frage besprechen, ob die Zeit bis Herbst 2017 für Europa vielleicht zum Schicksalsjahr werden könnte.

Wird 2017 für Europa erneut zum Krisenjahr?

In Europa stehen bis Herbst 2017 insgesamt fünf mehr oder weniger wichtige Wahltermine an, die ersten beiden davon schon am kommenden Wochenende:

Italien

Am Sonntag findet in Italien das Referendum über die Verfassungsreform von Matteo Renzi statt.
46 von 139 Artikeln der italienischen Verfassung sollen geändert werden, damit das Land besser regierbar wird und Reformen schneller durchgesetzt werden können. Renzi, der zuletzt etwas Stabilität in die Regierung gebracht hatte, knüpft auch seine eigene Zukunft an ein „Ja“ der Italiener zum Referendum. Damit ist es unabhängig vom Inhalt der Reform auch zur Vertrauensfrage für ihn selbst im Amt des Ministerpräsidenten geworden.

Besonders dieses Referendum gilt aktuell als Grund dafür, dass die europäischen Märkte den Ausbruch aus ihren Seitwärtsbewegungen trotz guter Vorgaben aus den USA nicht schaffen. Bei einem „Nein“ der Italiener könnte es für die Regierung immer schwieriger werden, Reformen durchzusetzen und sich an den Kapitalmärkten zu refinanzieren. Denn wenn Renzi geht und die Unsicherheit zunimmt, müsste der italienische Staat für seine Staatsanleihen wohl deutlich mehr Zinsen zahlen als bisher. Schon im Vorfeld des Referendums ist dies spürbar. Für das ohnehin hoch verschuldete Italien wäre das kaum verkraftbar. Auch die Bankenkrise in Italien dürfte sich dann weiter verschärfen. Wie die Financial Times berichtet, droht bis zu acht italienischen Banken der Zusammenbruch bei einem Nein im Referendum.

Im schlimmsten Fall könnte es chaotische Zustände in der viertgrößten Volkswirtschaft der EU geben. Eine Rettung Italiens im Stile Griechenlands wäre nicht möglich – dazu ist das Land zu groß und die Schulden zu hoch. Möglicherweise wäre das Land aufgrund seiner finanziellen Probleme im Euro nicht mehr zu halten.

Oder die Italiener treten gleich ganz aus der EU aus. Bei Neuwahlen könnte der Komiker und Populist Beppe Grillo mit seiner Fünf-Sterne-Bewegung die Wahlen gewinnen, denn die Stimmung in Italien in Bezug auf die EU ist denkbar schlecht. Die Italiener geben der Globalisierung, der EU mit ihren Sparvorgaben und letztendlich auch Deutschland die Schuld an der Misere im eigenen Land.

Österreich

Am gleichen Tag wählt Österreich einen neuen Bundespräsidenten. Zur Wahl stehen erneut der Grüne Alexander Van der Bellen und der FPÖ-Politiker und EU-Kritiker Norbert Hofer. Auch wenn sich Hofer nicht direkt für einen Austritt Österreichs stark macht, wird die Wahl auch als Stimmungsbild in Österreich für oder gegen die EU angesehen. Natürlich hätte ein Wahlsieg Hofers keine unmittelbaren Auswirkungen auf die EU, er wäre aber ein weiteres Indiz für den Vormarsch der Populisten.

Niederlande

Holland ist der viertgrößte Nettozahler der Europäischen Union und Populist Gerd Wilders macht mit seiner Partei PVV gegen diese Tatsache kräftig Stimmung. Ähnlich wie die Brexit-Populisten argumentiert er, dass das Geld im eigenen Land besser aufgehoben wäre und findet damit viel Gehör: In Wahlumfragen legt seine Partei kontinuierlich zu und aktuell sieht es so aus, als ob sie stärkste Kraft im neu gewählten holländischen Parlament werden könnte. Allerdings ist in Holland die Parteienlandschaft sehr zersplittert, so dass die PVV allenfalls Teil einer neu gewählten Regierung mit mehreren anderen Parteien werden könnte.

Frankreich

In Frankreich ist es Marie Le Pen, die die Befürworter eines EU-Austritts anführt. Mit ihrer Front National macht sie Stimmung gegen Zuwanderung und Globalisierung. Im Frühjahr 2017 werden sowohl der Präsident als auch das Parlament in Frankreich neu gewählt.

Auch im krisengeschüttelten Frankreich geben viele Bürger der EU die Schuld an den Problemen im eigenen Land. Immerhin konnten sich die Konservativen jetzt auf einen starken eigenen Kandidaten einigen. Laut aktuellen Umfragen würde Fillon eine mögliche Stichwahl gegen Le Pen mit 66 % der Stimmen für sich entscheiden. Spätestens seit Brexit und US-Wahl wissen wir jedoch, dass Populisten am Wahltag oft deutlich stärker abschneiden als die Umfragen es für möglich halten.

Deutschland

Und dann Deutschland: Im Herbst 2017 wird der Bundestag neu gewählt und auch hier bekommen die etablierten Parteien durch die AfD gehörig Druck von rechts.

Selbst wenn EU und Euro diese Schicksalswahlen heil überstehen – einfacher wird die Lage in Europa nicht, wenn rechtspopulistische Parteien immer stärker werden und Druck auf die Regierungen ausüben, den nationalen Interessen Vorrang zu geben.

Immerhin gibt es eine aktuelle Umfrage, die auch Hoffnung macht: Europaweit ist seit dem Brexit in fast allen Ländern die Zustimmung für die EU-Mitgliedschaft in der Bevölkerung wieder gestiegen. Offenbar nimmt man jetzt zur Notiz, wie schwer die Briten sich mit der Umsetzung ihrer eigenen Entscheidung tun. Selbst von den Briten würden jetzt 56 Prozent gerne wieder in der EU bleiben.

Die Märkte haben die schwierige Lage in Europa schon eingepreist. Die Unsicherheiten und die Probleme innerhalb der EU dürften der Grund dafür sein, dass der DAX im Gegensatz zu den US-Indizes noch 15 % unter seinem Allzeithoch steht, obwohl die meisten Unternehmen gute Gewinne machen und zusätzlich vom zuletzt wieder deutlich gefallenen Euro profitieren.

Politische Börsen haben kurze Beine. Ich glaube, dass selbst bei einem Nein der Italiener am Sonntag die Märkte ähnlich wie beim Brexit und beim Trump-Sieg allenfalls kurzfristig mit erhöhter Volatilität reagieren und danach schnell wieder zum Tagesgeschäft übergehen.

Anders sieht es natürlich aus, falls als Folge des Referendums tatsächlich italienische Banken zusammenbrechen oder der Staat seine Schulden nicht mehr bedienen kann. Dann hätten wir die Gefahr einer neuen Eurokrise großen Ausmaßes, die die Aktienmärkte im nächsten Jahr nachhaltig beeinflussen könnte.

Dieses schlimmste Szenario muss aber nicht eintreten, selbst bei einem negativen Ausgang des Referendums nicht. Über Absicherungsstrategien für Ihr Depot denken wir deshalb erst dann nach, wenn es auch in den Kursen und Indexständen die ersten Krisenzeichen gibt.

Danach sieht es jedoch momentan überhaupt nicht aus – ganz im Gegenteil: Besonders in den USA sind die Märkte immer noch sehr stark. Schon wieder haben sie Ende letzter Woche neue Allzeithochs gebildet. Und solange das anhält, gibt es für Sie nur eine richtige Strategie: Seien Sie investiert!

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Artikel von: Stefan Lehne

Zu meiner Person

Mein Name ist Stefan Lehne, von Beruf bin ich Diplom-Kaufmann mit abgeschlossenem Studium der Betriebswirtschaftslehre. Schon während meines Studiums habe ich meine erste eigene Firma gegründet, mit 29 Jahren habe ich sie erfolgreich verkauft. Die Frage, wie ich den Verkaufserlös gewinnbringend an der Börse anlegen und mehren kann, brachte mich damals dazu, mich intensiver mit dem Thema Aktien und Börse zu befassen.

Bereits seit über 15 Jahren investiere ich nun in Aktien und Optionsscheine, auch viele andere Investments habe ich ausprobiert. Dabei musste ich immer wieder die Erfahrung machen, dass die meisten Börsenstrategien langfristig einfach nicht funktionieren. Dies möchte ich Ihnen ersparen. Deshalb habe ich beschlossen, meine Trendfolgestrategie öffentlich zu machen, die mich nunmehr seit 10 Jahren als gewinnbringende Börsenstrategie mit erstaunlichen Erfolgen begeistert.

Meine Trendfolge-Strategie verfolge ich mit echter Leidenschaft. Jeden Morgen analysiere ich die Charts "meiner Trendfolger" und suche die Besten der Besten für Sie heraus. In der Vergangenheit konnte ich selbst erleben, wie mit Trendfolge-Aktien in allen Marktphasen mittelfristig hohe Gewinne erzielt werden können. Mit Optionsscheinen auf solche Aktien können Sie aus einem überschaubaeren Anfangskapital ein echtes Vermögen machen.

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